Stolze Ritter und großes Spektakel – das Ritterturnier

Ritter waren die Krieger des Mittelalters. Um in den Schlachten zu bestehen, waren Geschick und Schnelligkeit gefordert, die im Turnier mit stumpfen Waffen trainiert wurden. Diese Turniere waren bis ins 16. Jahrhundert hinein so beliebt, dass kaum ein europäischer Hof ein wichtiges Fest veranstaltete, ohne dabei ein Ritterturnier abzuhalten. Diese anhaltende Popularität der Turniere ist durchaus bemerkenswert, denn tatsächlich nahm die militärische Bedeutung des Rittertums bereits seit dem 13. Jahrhundert ab. Den neuentwickelten Distanzschusswaffen waren die unflexiblen Metallrüstungen der Ritter bald nicht mehr gewachsen.

Dass Ritterturniere dennoch bis ins 16. Jahrhundert hinein veranstaltet wurden, liegt daran, dass sie sich über die Jahrhunderte von der Kampfübung zur gefragten Sportveranstaltung und zu aufwendigen Programmpunkten bei höfischen Veranstaltungen entwickelten. Bald rückte die ursprüngliche Funktion, Kampftechniken zu trainieren, in den Hintergrund, nun drehte sich alles um ritterliches Schauspiel und die Inszenierung von Macht und Status. Diese Tendenz zeigt sich etwa in der ab dem 13. Jahrhundert nachgewiesenen Verzierung der ritterlichen Rüstungen und Waffen mit Farbfassungen oder Gold- und Edelsteinapplikationen. Diese dekorativen Elemente hatten keine militärische Funktion, sondern dienten rein der Repräsentation des adeligen Standes. Die zunehmende Verbreitung von Wappen auf den Schilden der Ritter dagegen erfüllte eine sehr wichtige Funktion: Sie ermöglichte sowohl den Zuschauern als auch den Rittern selbst eine eindeutige Zuordnung der teilnehmenden Ritter, die hinter ihren stetig umfangreicher werdenden Rüstungen sonst kaum zu erkennen gewesen wären.

Für den Adel waren diese Großveranstaltungen eine ideale Gelegenheit, Reichtum und Macht zu demonstrieren. Für die Ritter selbst waren die Turniere zu einer Möglichkeit geworden, sich dem Publikum zu präsentieren. Der Sieger gewann nicht nur Ruhm und Ansehen, sondern bisweilen auch die Ausrüstung des unterlegenen Ritters oder Tierpreise. Eine verbreitete Strategie war, den besiegten Gegner gefangen zu nehmen, um ihn dann gegen ein Lösegeld wieder frei zu lassen. So konnten einige Ritter ganz von ihren Turniergewinnen leben.

Für die wachsende Anzahl an Zuschauern, den umzäunten Turnierbereich und die Ritter samt ihrem Gefolge wurde mit der Zeit mehr Platz benötigt. So ging man dazu über, die Turniere von ihren ursprünglichen Austragungsorten im Zwinger oder Hof einer Burg in die Städte zu verlagern, wobei insbesondere die Marktplätze aufgrund ihrer Größe ideale Bedingungen boten. Vielfach wurde der gesamte Platz mit Stroh ausgelegt, damit Ritter und Pferde bei einem Sturz auf den harten Steinboden geschützt waren. Doch trotz solcher Vorsichtsmaßnahmen erlitten manche Ritter schwere bis tödliche Verletzungen. Da diese nicht aus einem notwendigen, sondern aus einem freiwilligen Kampf hervorgingen, wurden die Turniere von der Kirche stark kritisiert. Einerseits, da der Körper zu Unterhaltungszwecken beschädigt wurde, andererseits, da die Ritter sich auf die wichtigen Kriege, etwa als Kreuzfahrer, konzentrieren sollten. Mehrfach wurden Warnungen ausgesprochen, dass im Turnier gefallene Ritter kein christliches Begräbnis erhalten würden. Auch wurden vielerorts Gerüchte in Umlauf gebracht, die vor furchtbaren Dämonen auf den Turnierplätzen warnten.

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