Die Jagd als Fest

Ab dem Mittelalter diente das Jagen zunehmend nicht mehr dem reinen Nahrungserwerb, sondern entwickelte sich zu einem aufwendig vorbereiteten Großereignis, das die Macht des Adels demonstrieren sollte. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte diese organisierte Form der Jagd ihren Höhepunkt, als sich die sogenannte Eingestellte Jagd etablierte. Während der Barockzeit war diese Jagdform in Deutschland so beliebt, dass sie noch heute als deutsches Jagen bekannt ist. Wochen vor dem eigentlichen Jagdtermin wurde damit begonnen, den Lauf mit Netzen oder Stofflappen einzufrieden. Parallel trieben die Jäger zahlreiche Tiere zusammen und pferchten sie in die sogenannte Kammer, ein Gehege, in dem sie bis zur Jagd festgehalten wurden. Am Jagdtag wurden sie schließlich in den Lauf getrieben, in dem sich zuvor die Jagdgesellschaft unter einem aufwendig geschmückten Jagdschirm zum Abschuss bereit machte.

Dass es bei diesen Festen mehr um Inszenierung und Vergnügen als um die Versorgung mit Wildbret ging, wird auch dadurch deutlich, dass das Wild bisweilen kostümiert wurde. So wurden zum Amüsement etwa Puppen auf den Rücken der Tiere gebunden.

Bis zum Jahr 1848 war das Jagen eine streng reglementierte Angelegenheit. Gesetze, die die Jagd einschränkten, waren bereits seit Jahrhunderten verbreitet. So wurde die Jagd lange in hohe und niedere Jagd geteilt. Die hohe Jagd war allein den Herrschern und dem Adel vorbehalten, während die niedere Jagd ein Zugeständnis an Grundeigentümer war. Welche Tiere als Hoch- bzw. als Niederwild galten, wurde ständig neu festgesetzt. Allgemein gehörten Wildschweine oder Fasane zum Hochwild, während kleine Tiere wie Hasen als Niederwild zählten. Die Beschränkungen der Jagd gingen insbesondere zu Lasten der Bauern, die ihre Felder aufgrund des Jagdverbots kaum gegen das Wild verteidigen konnten und für Ernteeinbußen durch Wildschäden keinerlei Entschädigung erhielten. Zudem war die Bevölkerung zu Frondiensten verpflichtet – ohne eine Gegenleistung mussten die Jäger verpflegt oder das Wild getrieben werden. Dies bedeutete ein doppeltes Opfer für die Untertanen – sie durften selbst nicht jagen und wurden gleichzeitig gezwungen, dem Adel das Jagen zu erleichtern. Ein Verstoß gegen das Jagdverbot wurde nicht selten mit dem Tod bestraft. Eine mildere Bestrafung erwartete die Wilderer, die Mitte des 17. Jahrhunderts um Salzburg bei der unerlaubten Jagd gestellt wurden – sie mussten vier Wochen bei der Arbeit ein Geweih tragen und sich verspotten lassen.

Auch im Gebiet des Bergischen Landes hatte die Bevölkerung unter den Jagdfrondiensten zu leiden. So waren die Bauern im Amt Beyenburg, zu dem das heutige Stadtgebiet von Radevormwald gehörte, verpflichtet, Hunde für die Jagd zu züchten. Im Jahr 1757 schlossen sich einige Bauern zusammen und wehrten sich dagegen, weiter ihre knappe Zeit und ihre kostbare Nahrung für die fremden Jagdhunde aufzuwenden – eine kleine Revolution im Bergischen. Die große Revolution folgte Jahrzehnte später, als die Frondienste 1848 aufgehoben wurden. Doch schnell zeigte sich, dass eine für jedermann freie, ungeregelte Jagd die Wildbestände stark gefährdet, sodass um 1850 das noch heute gültige Revierjagdsystem eingeführt wurde. Die Eingestellte Jagd wird heute stark kritisiert, denn sie widerspricht allen Vorstellungen von Waidgerechtigkeit, Umwelt- und Tierschutz.

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