Zeit für Veränderung – Die Industrialisierung

Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Welt in einem nie zuvor dagewesenen Tempo. Parallel zur Zeit des Biedermeiers fanden Entwicklungen statt, die zu einer enormen Umwälzung des Lebens führen sollten. Die Erfindung des Telefons, erste Straßenbahnen und Automobile auf den Straßen sowie der Einzug von Gas und Elektrizität in viele Haushalte veränderten das Leben grundlegend. Eine besondere Rolle in dieser Zeit kam den Fortschritten im Bereich der maschinellen Produktion zu. Durch den Einsatz neuartiger Maschinen konnte die Arbeitskraft vieler Menschen ersetzt und die Produktivität enorm gesteigert werden – das Zeitalter der Industrialisierung begann.

In vielen Ländern Europas wurde an der Entwicklung von Dampfmaschine, Dampfschiff und Eisenbahn gearbeitet. Dampfmaschinen konnten bald zahlreiche Arbeiten vorantreiben und große Fabriken wurden errichtet. Viele der Arbeiter in den Fabriken waren ehemalige Handwerker und Landwirte, deren Arbeit durch die Entwicklung der Maschinen überflüssig geworden war. Zum Bedienen der Maschinen brauchte man zudem, verglichen mit der handwerklichen Arbeit, weniger Personal, sodass die Arbeitslosigkeit auf dem Land hoch war. So zogen die Menschen in die Städte, in der Hoffnung, dort eine Arbeit zu finden, und die Städte wuchsen rasant. Doch nicht nur Städte, auch die Wut wuchs bei vielen Zeitgenossen. Sie gaben den Maschinen die Schuld an ihrer Lage, denn ohne die Maschinen hätten mehr Menschen eine Arbeit. Einige gingen so weit, Maschinen zu zerstören, woraus resultierte, dass auf den Angriff einer Maschine in England 1812 die Todesstrafe galt.

Auch in Oberberg veränderte die Industrialisierung Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Die regionale Textilindustrie florierte, neue Firmen siedelten sich an und zahlreiche Fabriken wurden gebaut. So gründeten auch die Brüder Steinmüller ihre Dampfkesselfirma in Gummersbach im Jahr 1874, die erfolgreich wuchs und knapp 30 Jahre später über 1000 Beschäftigte zählte. Zugleich wurden die Talsperren zur Stromgewinnung ausgehoben und die Steinbrüche für neue Häuser und Straßen betrieben. Bereits 1863 fuhr die Bröltalbahn als Deutschlands erste dampfbetriebene Schmalspurbahn durch die Region, in den Folgejahren wurde das Schienennetz erweitert. Gerade die Eisenbahn gilt heute vielfach als Symbol der Industrialisierung. Neben dem Dampfschiff und dem Dampfwagen – dem Vorläufer des Automobils – versprach sie eine neue Mobilität. Im 19. Jahrhundert wurde das Eisenbahnnetz europaweit rasant aufgebaut, um die Vielzahl an industriell hergestellten Gütern aus den Fabriken zu den Abnehmern zu transportieren. Zu diesen zählten etwa die in den Städten neu entstandenen Großmärkte und Kaufhäuser.

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich auch die Bereiche Wissenschaften und Bildung rasant. Mit der Erfindung der Fotografie im Jahr 1839 schien es erstmals möglich, Aufnahmen der Welt mit einer Maschine zu erzeugen. Die Medizin verzeichnete enorme Fortschritte und zahlreiche Akademien, Universitäten und Museen wurden gegründet. Gegenüber den vorausgehenden Jahrhunderten, in denen Kunst- und Kultur­sammlungen meist nur vom Adel in den höfischen Wunderkammern präsentiert wurden, gründeten Bildungsbürger und Vereine im 19. Jahrhundert deutschlandweit Museen, und ermöglichten so mehr Menschen als je zuvor einen Zugang zu Kunst und Kultur.

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