Vom Leben auf der Burg

Burgen waren militärische Zentren der Macht. Von dort aus wurden die zugehörigen Dörfer und Ländereien regiert und verwaltet. Doch zugleich waren sie auch Lebensraum der Könige, Fürsten und Grafen sowie ihrer Gefolgschaft. Vieles von dem, was wir heute über das Leben auf den mittelalterlichen Burgen wissen, basiert auf der höfischen Dichtung, die vom Treiben auf den Burgen erzählt. Es ist jedoch umstritten, wie hoch die Aussagekraft dieser Texte ist, denn die Dichter berichten vor allem von den höfischen Festen, doch kaum von den Unannehmlichkeiten, die der Alltag auf der Burg bereitete.

Innerhalb der Gemäuer war es oft kalt, dunkel und feucht. Beheizt wurde nur das Wohnhaus, der sogenannte Palas. Er umfasste einen großen Festsaal im ersten Stock. Dort wurde Gericht gehalten und Besuch empfangen. Gern gesehene Gäste waren Minnesänger und Gaukler, die mit ihren Vorführungen Unterhaltung boten. Zudem gehörte die Kemenate zum Wohnbereich der herrschaftlichen Familie, die ihren Namen aus dem lateinischen Wort caminata ableitet und einen beheizten Raum bezeichnet. Zentrales Element in diesem Raum war der Kamin, der das Schlafzimmer wärmte und zum bevorzugten Aufenthaltsort der Frauen und Kinder machte. Abends wurden dort Kleider und Textilien gefertigt, gelesen und erzählt. Die Töchter erhielten hierbei ihre Ausbildung in Handarbeit und Haushaltsführung, bis sie, in noch jungen Jahren, verheiratet wurden. Die Söhne durchliefen eine strenge Ausbildung am elterlichen oder einem fremden Hof, die sie abhärten und zu folgsamen Männern erziehen sollte.

Anders als der Palas wurden die Gesindehäuser nicht beheizt. Glasfenster waren nahezu unbezahlbar, und so behalf man sich im Winter mit Tierhäuten und Stroh in den Fenstern. Allein die Küche bot dem Gesinde etwas Wärme, denn dort brannte ein offenes Feuer. Aufgrund der Brandgefahr befand sich die Küche stets abseits der herrschaftlichen Wohnräume, meist im Untergeschoss der Burg oder einem eigenen Gebäude. Saison und Region bestimmten den Speiseplan, der vorwiegend aus Getreidebrei, Brot und Suppe bestand, denn Fleisch und Fisch waren den Sonn- und Festtagen vorbehalten. Um die Winter zu überstehen, kam der Konservierung der Lebensmittel eine wichtige Bedeutung zu. Zucker war – wie auch Gewürze und exotische Früchte – zu jener Zeit noch ein seltenes Luxusgut, sodass das Einmachen von Obst noch nicht verbreitet war. Gängige Konservierungsmethoden waren das Dörren, Pökeln und Räuchern. Es wurde überwiegend Wein und Bier getrunken, da beide Getränke gegenüber dem oft verunreinigten Wasser kaum Keime enthielten.

Dennoch waren Krankheiten, die aus den allgemein rudimentären Hygienebedingungen resultierten, weit verbreitet. Die Lebenserwartung betrug im Mittelalter kaum mehr als 30 bis 35 Jahre. Behandelt wurden diverse Leiden von den wenigen ausgebildeten Ärzten und sogenannten Badern, die Waschungen und medizinische Dienste wie das Ziehen fauler Zähne anboten. Noch heute geschätzt wird die Klostermedizin des Mittelalters, die auf der von Mönchen untersuchten Heilwirkung von Pflanzen basiert.

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